Videokonferenz-Hardware 2026: Was intelligente Meetingräume heute leisten müssen
Videokonferenzräume verändern sich 2026 weniger durch eine nochmals höhere Auflösung als durch intelligentere Kameraführung, bessere Audioverarbeitung, Multi-Kamera-Systeme und eine zentrale Verwaltung der gesamten Raumtechnik. Gleichzeitig rückt bei vielen Installationen aus den Jahren 2020 bis 2022 die nächste Modernisierungs- und Standardisierungsphase näher.
Welche Entwicklungen bieten Systemintegratoren und ihren Kunden einen echten Mehrwert? Wann ist eine einzelne Video Bar ausreichend, wann braucht es mehrere Kameras – und warum ist eine gute Raumakustik häufig wichtiger als die maximale Kameraauflösung?
Darüber sprechen wir mit Daniel Baumeler, Senior Business Manager ProAV bei Littlebit Technology. Er ist seit über 35 Jahren in der Audio-Video- und IT-Branche tätig und begleitet Hersteller, Systemintegratoren und Fachhandelspartner bei der Planung und Umsetzung professioneller Meetingraumlösungen.
Das Wichtigste in Kürze
2026 stehen nicht einzelne Hardwaremerkmale, sondern das Zusammenspiel aus Benutzerfreundlichkeit, Audio- und Videoqualität, Plattformintegration, zentralem Management und langfristiger Betriebssicherheit im Mittelpunkt. KI schafft vor allem dort Mehrwert, wo sie Kameraperspektiven, Sprache und Raumtechnik automatisch optimiert. Multi-Kamera-Systeme werden für hochwertige hybride Meetingräume wichtiger, sind aber nicht für jede Raumgrösse und jedes Nutzungsszenario notwendig.
Inhalt:
1. Wie entwickelt sich das Video-Conferencing-Geschäft 2026?
2. Was sind die neuesten technischen Verbesserungen bei Videokonferenz-Hardware?
3. Welche Neuerungen sind für Kunden kaufentscheidend?
4. Welche KI-Funktionen bringen einen Mehrwert und welche sind eher Marketing?
5. Ist Multi-Kamera die Zukunft jedes grösseren Meetingraums oder bleibt es eine Speziallösung?
6. Investieren Kunden aktuell zu viel in Kameras und zu wenig in Akustik?
7. Wie wichtig ist Plattformunabhängigkeit bei neuen Projekten?
8. Wie berechnet man den Total Cost of Ownership eines Meetingraums?
9. Welche Videokonferenzfunktion wird aktuell überschätzt?
10. Wie sieht ein idealer Meetingraum im Jahr 2030 aus?
Videokonferenz-Hardware 2026 im Experteninterview
1. Wie entwickelt sich das Video-Conferencing-Geschäft 2026 allgemein?
Der Videokonferenzmarkt entwickelt sich 2026 weiterhin positiv, allerdings deutlich differenzierter als während der Pandemie. Statt möglichst schnell neue Räume auszustatten, stehen heute die Modernisierung bestehender Installationen, die Standardisierung der Technik und eine bessere Benutzererfahrung im Mittelpunkt. Bei vielen Lösungen aus den Jahren 2020 bis 2022 rückt deshalb der erste grössere Technologie- und Lifecycle-Refresh näher.
Gleichzeitig verschiebt sich das Geschäft vom reinen Hardwareverkauf hin zu vollständigen Ökosystemen. Neben Kamera, Mikrofon und Display gewinnen zentrale Geräteverwaltung, Monitoring, Raumbelegung, Digital Signage, Softwarelizenzen und Supportverträge an Bedeutung. Der Videokonferenzraum wird zunehmend als dauerhaft betriebene IT-Infrastruktur und nicht mehr als einmaliges AV-Projekt betrachtet.
Das Wachstum ist damit weniger explosionsartig, dafür nachhaltiger und professioneller. Besonders grosse Chancen sehe ich bei der Erneuerung bestehender Räume, bei der Standardisierung standortübergreifender Installationen sowie bei kleinen Meetingräumen, die bisher noch nicht oder nur unzureichend für hybride Meetings ausgestattet sind.
2. Welches sind die neuesten technischen Verbesserungen bei der Videokonferenz-Hardware, insbesondere bei Logitech und Yealink?
Die grössten Fortschritte liegen derzeit nicht mehr primär bei der nominellen Auflösung. 4K ist inzwischen weit verbreitet, sagt allein aber wenig über die tatsächliche Bildqualität aus. Entscheidender sind grössere Bildsensoren, bessere Optiken, leistungsfähigere Bildprozessoren, lokale KI-Verarbeitung, verbesserte Mikrofontechnik und die intelligente Zusammenarbeit mehrerer Kameras.
Logitech bringt mit der Rally AI Camera und der Rally AI Camera Pro eine neue Kamerageneration für grössere und komplexere Räume auf den Markt. Die Rally AI Camera Pro kombiniert eine digitale Kamera mit grossem 1-Zoll-Sensor und eine optische PTZ-Kamera. Dadurch kann das System sowohl den gesamten Raum erfassen als auch weiter entfernte Personen in hoher Qualität darstellen. Funktionen wie Group View, Speaker View, Grid View und Presenter View sollen unterschiedliche Nutzungsszenarien automatisch abdecken.
Yealink verfolgt einen stärker integrierten Systemansatz. Das MVC S90 kombiniert mehrere UVC86-Kameras mit dem Mcore 4 Compute System und dem MTouch Plus-Touchpanel. Das MVC S98 setzt für besonders grosse und komplexe ProAV-Räume auf mehrere SmartVision-80-Kameras. Dadurch lassen sich unterschiedliche Perspektiven automatisch auswählen und grosse, lange oder teilbare Räume besser abbilden.
Ein weiterer wichtiger Fortschritt ist die vereinfachte Installation und Verwaltung. USB-C, Power over Ethernet, IP-basierte Verbindungen und vorkonfigurierte Komplettsysteme reduzieren den Verkabelungs- und Integrationsaufwand. Zentrale Plattformen wie Logitech Sync und Yealink YMCS ermöglichen ausserdem die Bereitstellung, Aktualisierung, Überwachung und Fehlerdiagnose über viele Räume hinweg.
Logitech und Yealink im Vergleich
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Bereich |
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Grundsätzlicher Ansatz |
Fokus auf ein einheitliches, einfach bedienbares und plattformübergreifendes Ökosystem |
Breites Komplettportfolio mit stark integrierten Lösungen für unterschiedliche Raumgrössen |
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Aktuelle Kameraentwicklung |
Rally AI Camera mit grossem 1-Zoll-Sensor; Rally AI Camera Pro zusätzlich mit optischer PTZ-Kamera für grössere Räume |
SmartVision 80 mit vier Objektiven und bis zu 20-fachem optischem Zoom für grosse und komplexe Räume |
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KI-Kameraführung |
RightSight 2 mit Group View, Speaker View, Grid View und Presenter View |
IntelliFocus, Auto Framing, Speaker und Presenter Tracking sowie Multi-Stream IntelliFrame – abhängig von System und Plattform |
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Multi-Kamera-Konzept |
Kombination mehrerer Rally AI Cameras sowie Front-and-Center-Szenarien mit Logitech Sight |
Modulare Systeme wie MVC S90 und MVC S98 mit mehreren PTZ- beziehungsweise SmartVision-Kameras |
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Raumlösungen |
Stark bei standardisierten Huddle-, kleinen und mittelgrossen Räumen; neue Kameras erweitern das Angebot für Boardrooms und Schulungsräume |
Sehr breites Angebot von Video Bars und MeetingBoards bis zu modularen ProAV-Systemen für grosse und teilbare Räume |
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Installation und Erweiterung |
CollabOS-Appliances, USB- und BYOD-Lösungen sowie Erweiterung über Netzwerkverkabelung |
All-in-one-Systeme und modulare Windows-Lösungen mit PoE, AVHub und IP-basierter Geräteanbindung |
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Zentrales Management |
Logitech Sync für Bereitstellung, Updates, Monitoring, Raumbelegung und Integrationen in bestehende IT- und Raum-Management-Umgebungen |
Yealink YMCS für Bereitstellung, Updates, Verbindungstopologie, Remote-Steuerung und Fehlerdiagnose |
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Typische Stärke |
Standardisierung, intuitive Bedienung und konsistentes Management über viele Räume und Standorte |
Grosse Auswahl, starke Kameraausstattung und flexible Komplettlösungen aus einem Herstellerökosystem |
Die konkrete Produktauswahl hängt von Raumgeometrie, Hauptplattform, Teilnehmerzahl, Akustik und gewünschtem Betriebsmodell ab. Die Tabelle zeigt daher technologische Schwerpunkte und keine allgemeine Rangfolge.
Die verfügbaren Multi-Kamera-Funktionen unterscheiden sich je nach Meetingplattform und Systemkonfiguration.
3. Welche Neuerungen sind für Kunden wirklich kaufentscheidend?
Kaufentscheidend sind vor allem Funktionen, die den Raum einfacher, zuverlässiger und für alle Teilnehmenden gleich bedienbar machen.
An erster Stelle steht für mich die Benutzerfreundlichkeit. Nutzerinnen und Nutzer müssen einen Raum betreten und das Meeting mit einem einzigen Tastendruck starten können. Wenn vor jedem Meeting Kabel gesucht, Eingänge umgeschaltet oder Einstellungen verändert werden müssen, ist der Raum aus Anwendersicht schlecht geplant.
Ebenfalls entscheidend sind:
- eine gute Sprachverständlichkeit
- automatische und glaubwürdige Kameraführung
- zuverlässiges kabelloses und kabelgebundenes Präsentieren
- einheitliche Bedienung in allen Räumen
- zentrale Verwaltung und Überwachung
- einfache Wartung und langfristige Updatefähigkeit
- sowie die Möglichkeit, auch externe Meetings möglichst unkompliziert beizutreten
Bei grösseren Unternehmen wird zudem die zentrale Verwaltung immer wichtiger. Die IT möchte sehen, ob ein Gerät online ist, welche Firmware installiert ist, ob Mikrofone funktionieren und wie häufig ein Raum tatsächlich genutzt wird. Microsoft erweitert beispielsweise die Verwaltungs- und Nutzungsanalyse für Teams Rooms kontinuierlich, damit Unternehmen Raumstandards und Investitionen gezielter steuern können.
4. Welche KI-Funktionen bringen tatsächlich einen Mehrwert und welche sind momentan eher Marketing?
KI bringt dann einen echten Mehrwert, wenn sie ein konkretes Problem löst, ohne zusätzliche Bedienung zu erfordern. Bei der Hardware betrifft das vor allem die automatische Sprechererkennung, intelligentes Framing, die Wahl der besten Kameraperspektive sowie die Reduktion störender Hintergrundgeräusche.
Davon zu unterscheiden sind KI-Funktionen der Meetingplattform. Transkriptionen, Übersetzungen, Zusammenfassungen und automatisch erkannte Aufgaben werden überwiegend von Microsoft Teams, Zoom oder anderen Collaboration-Plattformen bereitgestellt und nicht von der Kamera selbst.
Weniger überzeugend sind Funktionen, die zu häufig oder zu aggressiv eingreifen. Ständige Perspektivwechsel oder unruhige Bildausschnitte können ein Meeting eher beeinträchtigen. Die beste KI-Funktion ist deshalb diejenige, die Nutzerinnen und Nutzer kaum wahrnehmen, weil das Meeting einfach natürlicher und zuverlässiger funktioniert.
5. Ist Multi-Kamera die Zukunft jedes grösseren Meetingraums oder bleibt es eine Speziallösung?
Multi-Kamera-Systeme werden in grösseren und anspruchsvollen Meetingräumen deutlich an Bedeutung gewinnen. Das bedeutet jedoch nicht, dass künftig jeder Raum mehrere Kameras benötigt.
Besonders sinnvoll sind sie in Boardrooms, Schulungsräumen, Räumen mit langen Konferenztischen, teilbaren Räumen und Townhall-Umgebungen. Eine einzelne Kamera an der Stirnseite kann dort häufig nicht gleichzeitig eine gute Gesamtansicht und hochwertige Nahaufnahmen aller Personen liefern.
Systeme wie Logitech Sight in Kombination mit einer Rally Bar oder Rally Bar Mini ergänzen die Frontkamera um eine Perspektive aus der Tischmitte. Yealink verfolgt mit der MTower einen vergleichbaren Front-and-Center-Ansatz für kompatible Microsoft-Teams-Rooms-Installationen. Dadurch können auch seitlich sitzende oder weiter entfernte Personen natürlicher dargestellt werden.
In klassischen mittelgrossen Räumen kann dagegen weiterhin eine hochwertige Einzelkamera mit geeigneter Optik und intelligenter Sprechererkennung ausreichen. Entscheidend sind nicht allein Raumgrösse und Teilnehmerzahl, sondern auch Raumgeometrie, Sitzordnung, Blickachsen und Nutzungsszenario.
Der Mehrwert entsteht letztlich nicht durch die Zahl der Kameras, sondern durch natürlichere Perspektiven und eine bessere visuelle Gleichstellung der Personen im Raum und der zugeschalteten Teilnehmenden.
6. Investieren Kunden aktuell zu viel in Kameras und zu wenig in Akustik?
Ja, das passiert häufig. Die Kamera ist sichtbar, einfach vergleichbar und lässt sich in einer Präsentation gut demonstrieren. Die Qualität der Raumakustik wird dagegen oft erst bemerkt, wenn das System bereits installiert ist.
Für ein produktives Meeting ist der Ton jedoch wichtiger als das Bild. Teilnehmende können notfalls mit einem weniger perfekten Kamerabild arbeiten. Bei Hall, Nebengeräuschen, Unterbrechungen oder schlecht verständlicher Sprache wird die Kommunikation dagegen sehr schnell anstrengend.
Eine gute Lösung beginnt deshalb mit der Akustik des Raums:
- Wie stark hallt der Raum, wie sind die Oberflächen materialisiert?
- Gibt es Störgeräusche?
- Wie weit sitzen die Teilnehmer von den Mikrofonen entfernt?
- Wo und in welcher Anzahl sind die Audiokomponenten positioniert?
Statt das gesamte Budget in die teuerste Kamera zu investieren, wäre es häufig sinnvoller, einen Teil davon für zusätzliche Mikrofone, akustische Massnahmen oder eine professionelle Planung einzusetzen.
7. Wie wichtig ist Plattformunabhängigkeit inzwischen bei neuen Projekten?
Sie ist sehr wichtig, wobei man zwischen nativer Plattform und Gastteilnahme unterscheiden muss.
Viele Unternehmen standardisieren intern auf Microsoft Teams, Zoom oder Google Meet. Trotzdem erhalten sie Einladungen von Kunden, Lieferanten und Partnern über andere Plattformen. Ein moderner Meetingraum muss deshalb mindestens eine unkomplizierte Teilnahme an externen Meetings ermöglichen.
Das kann je nach System über Direct Guest Join beziehungsweise WebRTC, SIP-basierte Interoperabilität oder BYOD/BYOM erfolgen. Microsoft, Google und die Hardwarehersteller erweitern die Interoperabilität laufend. Dennoch funktionieren nicht in jeder Fremdplattform sämtliche Funktionen gleichwertig. Deshalb bleibt eine zusätzliche USB- oder BYOD-Option für viele Kunden wichtig.
Vollständige Plattformunabhängigkeit klingt attraktiv, kann aber auch Komplexität erzeugen. In der Praxis empfehle ich meistens eine klar definierte Hauptplattform mit nativer Benutzererfahrung und zusätzlich einer einfachen Möglichkeit, Meetings anderer Plattformen beizutreten.
8. Wie berechnet man den Total Cost of Ownership eines Meetingraums?
Der Total Cost of Ownership umfasst deutlich mehr als den Kaufpreis der Hardware.
Berücksichtigt werden sollten:
1. Beschaffung und Installation
Dazu gehören Display, Kamera, Mikrofone, Lautsprecher, Computer-System, Touchcontroller, Halterungen, Kabel und allfällige Raumsteuerung, sowie Beratung, Konfiguration, Verkabelung, Montage, Netzwerkvorbereitung, Inbetriebnahme und Benutzerschulung.
2. Lizenzen und laufender Betrieb
Hierzu gehören Software- und Raumlizenzen, Cloud-Management, Supportverträge, Garantieerweiterungen, Stromverbrauch und gegebenenfalls wiederkehrende Digital-Signage- oder Geräteverwaltungslizenzen.
3. Support, Ausfälle und interne IT-Zeit
Wie viel Zeit benötigt die interne IT für Updates, Störungsbehebung, Neustarts und Benutzerunterstützung? Eine vermeintlich günstige Lösung kann teuer werden, wenn sie regelmässig Supportfälle verursacht.
Auch die Zeit der Meetingteilnehmer ist ein Kostenfaktor. Wenn zehn Personen wegen eines technischen Problems zehn Minuten verlieren, entsteht bereits ein erheblicher Produktivitätsverlust.
4. Lebensdauer, Austausch und Migration
Wie lange werden Betriebssystem, Plattform und Hardware unterstützt? Können einzelne Komponenten ersetzt werden oder muss das komplette System erneuert werden?
Eine einfache Betrachtung lautet deshalb:
TCO = Anschaffung + Installation + Lizenzen + Betrieb + Support + Ausfallkosten – Restwert
Für einen fairen Vergleich sollten diese Kosten über einen einheitlichen Zeitraum – beispielsweise fünf Jahre – berechnet und durch die erwartete Anzahl Meetings oder Nutzungsstunden geteilt werden.
9. Welche Videokonferenzfunktion wird aktuell überschätzt?
Am stärksten überschätzt wird aus meiner Sicht die reine 4K-Auflösung.
4K klingt in einer Produktbeschreibung überzeugend, sagt aber wenig darüber aus, wie gut die Teilnehmer tatsächlich gesehen werden.
Sensorgrösse, Optik, Lichtverhältnisse, Kameraposition, Kompression und intelligentes Framing sind häufig wichtiger als die nominelle Auflösung.
Wenn eine Kamera ein 4K-Bild des gesamten Raums aufnimmt und daraus mehrere Personen digital ausschneidet, bleibt pro Person wesentlich weniger effektive Auflösung übrig. Eine hochwertige Optik oder ein echter optischer Zoom kann deshalb einen grösseren praktischen Mehrwert bieten als eine hohe nominelle Auflösung.
Auch extrem hohe Zoomangaben werden teilweise überschätzt. Entscheidend ist nicht der theoretische maximale Zoom, sondern ob bei der tatsächlich benötigten Distanz noch ein natürliches und scharfes Bild entsteht.
10. Wie sieht ein idealer Meetingraum im Jahr 2030 aus?
Der ideale Meetingraum 2030 ist nicht spektakulärer, sondern intelligenter und einfacher. Er erkennt den Beginn eines Meetings, aktiviert automatisch die benötigte Technik und passt Kamera, Ton und Licht an die Zahl und Position der Teilnehmenden an.
Mehrere unauffällig integrierte Kameras und Mikrofone sorgen für natürliche Perspektiven und eine gute Sprachverständlichkeit. KI unterstützt auf Wunsch mit Transkriptionen, Zusammenfassungen und Aufgaben, muss dabei aber transparent, datenschutzkonform und vom Unternehmen kontrollierbar bleiben.
Alle Geräte werden zentral überwacht, Störungen möglichst erkannt, bevor sie den Meetingbetrieb beeinträchtigen. Auch externe Meetings und Plattformwechsel funktionieren ohne technische Hürden. Der entscheidende Qualitätsmassstab bleibt: Die Technik unterstützt die Kommunikation, ohne selbst zum Thema zu werden.
Fazit: Der beste Meetingraum beginnt nicht bei der Kamera
Die Entwicklung der Videokonferenz-Hardware zeigt 2026 eine klare Richtung: Nicht die höchste Auflösung oder die grösste Zahl an Kameras entscheidet über die Qualität eines Meetingraums, sondern das Zusammenspiel aus Raumplanung, Audio, intelligenter Bildführung, Plattformintegration und zuverlässigem Betrieb.
Für Systemintegratoren entsteht der grösste Mehrwert deshalb nicht durch die Empfehlung eines einzelnen Produkts. Entscheidend ist, die Raumgeometrie, die Hauptplattform, die Anforderungen an externe Meetings, den späteren Support und den gesamten Lebenszyklus gemeinsam zu betrachten.
Logitech und Yealink verfolgen dabei unterschiedliche, aber jeweils interessante Ansätze – von einfach verwaltbaren Standardräumen bis zu komplexen Multi-Kamera- und ProAV-Installationen.
Sie planen für Ihre Kunden neue Videokonferenzräume oder möchten bestehende Installationen modernisieren? Die ProAV-Experten von Littlebit unterstützen Sie bei Produktauswahl, Raumkonzeption, Demonstration und Projektplanung.
Über den Interviewpartner
Daniel Baumeler ist Senior Business Manager ProAV bei Littlebit Technology.
Littlebit Technology gehört zu den führenden Value-Added-Distributoren für professionelle AV- und Videokonferenzlösungen in der Schweiz, Deutschland und Österreich und vertreibt unter anderem die Lösungen von Logitech und Yealink.
Seit über 35 Jahren ist Daniel Baumeler in der Audio-Video- und IT-Branche tätig. Seine Laufbahn begann 1991 im Vertrieb audiovisueller Produkte. Nach Stationen in der Investitionsgüterindustrie und bei einem Softwarehersteller kehrte er 2004 in die ProAV- und IT-Distribution zurück. Vor seinem Wechsel zu Littlebit Technology war er Geschäftsführer der MobilePro AG. Seit 2018 verantwortet er bei Littlebit Technology den Ausbau und die Weiterentwicklung des ProAV-Geschäfts innerhalb der Unternehmensgruppe.
Durch die enge Zusammenarbeit mit internationalen Herstellern, Systemintegratoren und Fachhandelspartnern verfügt Daniel Baumeler über einen fundierten Einblick in den professionellen Videokonferenz- und Collaboration-Markt in der DACH-Region. Sein Fokus liegt auf modernen Meetingraumlösungen, Microsoft Teams Rooms, Google Meet, Zoom Rooms sowie den technologischen Entwicklungen rund um KI, Multi-Kamera-Systeme und intelligente Collaboration-Lösungen.


Quellen und Aktualisierungsdatum
Stand: 18. August 2026. Das Interview wurde vor der Veröffentlichung anhand aktueller Hersteller- und Plattforminformationen fachlich geprüft.
